Im Herbst 1861 reist der Seidenraupenhändler Hervé Joncour ans Ende der Welt: Eine Epidemie droht, die Seidenproduktion in seinem südfranzösischen Heimatdorf zum Erliegen zu bringen. Aus dem weit entfernten Japan, so hoffen die Spinnereibesitzer, wird er mit gesunden Seidenraupen-Eiern zurückkehren. Joncour findet auf seiner Reise an den Hof des japanischen Edelmannes Hara Kei die begehrte Ware – und verliebt sich in ein rätselhaftes Mädchen. Nie wechseln die beiden mehr als Blicke, nie hört er ihre Stimme, nie sind sie allein. Von Sehnsucht nach der Unbekannten getrieben, lässt Joncour von nun an Jahr für Jahr seine Frau Hélène in Lavilledieu zurück. Ein ums andere Mal unternimmt er die gefahrvolle Expedition, um immer am ersten Sonntag im April – gerade rechtzeitig zum Hochamt – wieder in sein Dorf zurückzukehren. Erst viele Jahre später offenbart ihm ein Brief, dessen Seiten mit Schriftzeichen wie mit den Spuren kleiner Vögel bedeckt sind, das Geheimnis seiner sehnsuchtsvollen Reisen.