»Links ein paar Treppenstufen. Eine Leiter zwischen Klavier und Schrank. Überhaupt: der Schrank. Eine Monstrosität: eine Mischung aus Museum, Labor, Rüstkammer. Und später: Falltür in die Vergangenheit. Hier nimmt eine der ungewöhnlichsten Exkursionen ihren Anfang: Hier beginnt die Reise zum Mittelpunkt der Erde.
Anja Panse hat Jules Vernes gleichnamigen Roman von 1864 in der Werkstatt des Theaters Ingolstadt in Szene gesetzt – als temporeiches, gewitztes Abenteuer für Zuschauer ab neun Jahren, das nach 75 Minuten mit tosendem Beifall belohnt wurde.
Jules Vernes »Reise zum Mittelpunkt der Erde« wird hier zur Reise in die eigene Fantasie. […] Die schwierigste Aufgabe, einen ganzen Krater in die kleine Werkstatt zu bringen, lösen Regisseurin Anja Panse und ihr Ausstatter Christian Robert Müller mit Bravour. Denn in Lidenbrocks schon zu Anfang beschriebenem Gelehrtenkabinett finden die Akteure prächtiges Spielmaterial für ihre Reise. Ein Schemel wird zur Droschke, der Koffer zum Zug, die Bodenschräge zum Floß, Mobiliar und Bretterbrücken verwandeln sich in unterirdische Schächte, Nischen, Felsvorsprünge, fossiles Terrain und Zimmerpflanzen zur Vegetation des Tertiärs. Atmosphäre schafft Anja Panse mit Geräuschen, Hall, einem zart plingenden Soundteppich (Musik: Annegret Enderle) und einfallsreicher Lichtregie. Aber in erster Linie verdankt sich der Erfolg des Abends ihren drei Schauspielern, die Jules Vernes Romanfiguren mit solch hinreißender Leichtigkeit auf die Bühne bringen. Lukas Umlauft als kühner, aber kauziger Professor in Tuchrock und wirrem Grauhaar, Barbara Schmick als sein Assistent und Neffe Axel, ein heroisches Hasenherz, und Michael Amelung als wortkarger, besonnener Naturbursche Hans. Alle drei zeigen große Spielfreude – und als Trio perfekte Sprech- und Bewegungschoreografien. Denn auch daraus entsteht die Komik in Anja Panses Inszenierung. Neben klug gesetzten Erzähltempi und überraschenden theatralen Lösungen (wie inszeniert man den Kampf zwischen einem Ichthyosaurus und einem Plesiosaurus) ist es auch dieses delikat arrangierte Spiel zu dritt, das für viele Lacher sorgt. Ein Klassiker der Weltliteratur – kindgerecht, spielerisch und mit überbordender Fantasie auf die Bühne gebracht. Bitte mehr davon!«

Anja Witzke, Donaukurier – 22.10.2012

»In »Die Reise zum Mittelpunkt der Erde«, die am Freitagabend im Jugendtheater Premiere hatte, ging es um all das: Tatendrang, Mut, Narzissmus und Selbstüberschätzung. Professor Lidenbrock (herrlich narzisstisch dargestellt von Lukas Umlauft) als glühender Forscher, ließ es sich nicht nehmen, an den Mittelpunkt der Erde zu reisen. Soeben hatte sein Neffe Axel (Barbara Schmick) die geheimnisvolle Botschaft aus dem alten isländischen Buch im Kopfstand gelüftet, da wurden auch schon die Koffer gepackt. […] Mit dem Zug und dem Schiff ging es zuerst nach Island, wo sich der ortskundige Führer Hans [Michael Amelung] dazugesellte und die Reise zum Mittelpunkt der Erde begleitete. […]
An einer Expedition voll Abenteuerlust, Gefahren und auch voll wundersamer Entdeckungen durften die Zuschauer bei der Premiere teilnehmen und das begeisterte Publikum dankte mit langem Applaus.«

Claudia Vorndran, Neuburger Rundschau – 23.10.2012