Eine Zigarette zum Abschied

…Mitten aus dem Leben gegriffen, greift das Stück “Der letzte Raucher” Erinnerungen, Emotionen und Gedanken auf, die vielen wohl mehr als nur vertraut vorkommen dürften. Das Stück ist modern und frisch und mit der Dauer von einer Stunde hervorragend geeignet für ein Publikum, das sich sonst nicht oft im Theater wiederfindet.
Großartig auch der Aufführungsort: Das Publikum sitzt im Foyer der Spiegelhalle, während der Raucher vor der geschlossenen Glastür spielt. Der hereinwehende Rauch, die Passanten, welche direkt hinter der “Bühne” dem Yachthafen entlanggehen und manchmal über den jungen Mann lachen, der da auf dem Balkon schreit oder in die Topfpflanze pinkelt: Das alles vermittelt eine so unmittelbare Authentizität, dass man glatt vergessen könnte, an einer Aufführung zu sein.

…Philip Heimke…spielt seine Rolle nicht, er lebt sie.
Er raucht , tobt und leidet auf dem Balkon ungemein glaubwürdig, und das Premierenpublikum verdankte es ihm zurecht mit einem langanhaltenden Applaus.

Severin Schwendener; Thurgauer Zeitung; 17. 10. 2011

Diese Droge ist auf jeden Fall erlaubt

Ein wahrlich erfrischender Abend ist es. Nicht nur, weil Regisseurin Anja Panse den Ausführenden des Monologs von Mark Kuntz im wahrsten Sinne des Wortes an die Luft setzt, sondern weil dieser Umgang mit einer bzw. zwei Drogen (neben dem Nikotin kommt Alkohol ins Spiel) nicht auf Polarisierung angelegt ist und weil sich bei zunehmender Vernebelung des Protagonisten die Sicht des Zuschauers lustvoll erhellt.

Philip Heimke erzählt den Werdegang zur zeitweisen Abhängigkeit vom Glimmstängel voller Empathie, mit entwaffnendem Humor, viel Körpereinsatz und jener Spur von Naivität, die zu einem angenehmen Selbsterkennungseffekt führt.
Das in der warmen Halle sitzende Publikum beobachtet somit ein Spiel außerhalb der Glastüren, das den Nikotinkonsum keineswegs rigoros verteufelt, sondern sich als witziges Plädoyer für den selbstbewussten Umgang mit jeglichem Genuss entpuppt. Was will man mehr.
Die Theaterdroge ist auf jeden Fall erlaubt.

Christa Dietrich; Vorarlberger Nachrichten; 21.10. 2011

„Der letzte Raucher“ qualmt im Freien und begeistert das Bensheimer Theaterpublikum mit brillantem Solo

Die Inszenierung vom Theater Konstanz dürfte in zweierlei Hinsicht in die Geschichte der Woche junger Schauspieler eingehen: Zum einen aufgrund des brillanten Solos von Philip Heimke (Jahrgang 1983), der eine Stunde lang leidet, wütet und quarzt, was die Lunge hergibt.
Andererseits aufgrund des außergewöhnlichen Aufführungsortes: Das Publikum saß oben im Gertrud-Eysoldt-Foyer und schaute hinaus auf einen künstlichen “Balkon” hinter der Glasscheibe direkt an der vorderen Fassade des Parktheaters. Ein großartiges, extrem kurzweiliges Theatererlebnis jenseits der üblichen Perspektiven.
Wegen der besonderen Situation war die Zuschauerzahl auf rund 100 Köpfe beschränkt. Diese erlebten eine vitale einstündige Inszenierung von Anja Panse (Kostüm: Joachim Steiner) über eine aussterbende Gattung, in der es neben chronischen Abstinenzlern und Nikotinkaugummi kauenden Einknickern noch immer rebellische Cowboys gibt, die ihre süchtige Passion bis auf die letzte Kippe zu verteidigen wissen.
Philip Heimke ist in jeder Sekunde glaubwürdig. Als Suchtkrüppel und Revolutionär, als Träumer und Botschafter einer Genusskultur, die Rauchen als selbstbestimmtes Handeln tolerieren will. Langer Applaus im Eysoldt-Foyer, wo der eingekehrte Schauspieler vom Publikum gefeiert wird.

Bergsträßer Anzeiger,31.05.2012